15 JAHRE HISTORISCHE ABENDE – EINE BILANZ

Am 26. Oktober 1993 hielt der leider viel zu früh verstorbenen Nils Rühberg den ersten Vortrag der »Historischen Abende« im damaligen Stadtgeschichtsmuseum am Großen Moor und eröffnete damit die Veranstaltungsreihe. Ins Leben gerufen hat sie der wenige Monate vorher gegründete Stadtgeschichts- und museumsverein Schwerin e.V., unter dessen Regie sie noch heute stattfindet. Die Vorträge waren ursprünglich dazu gedacht, mehr oder weniger regelmäßig aus der Arbeit des damaligen Historischen Museums zu berichten und die Arbeit der Mitarbeiter, Ausstellungen und Sammlungen vorzustellen. Doch schnell entwickelten sich die Vortragabende zu einem Forum für Historiker, Museumswissenschaftler, Archivare und andere, sich professionell oder nebenberuflich mit Themen der Stadt- und Landesgeschichte beschäftigenden Forscher, die hier über ihre Arbeit berichteten.

Die anfängliche Skepsis, ein Publikum mit ausreichendem historischen Interesse für wissenschaftliche Vorträge zu finden, wich schon nach wenigen Veranstaltungen. Der rege und stetig zunehmende Besuch überzeugte.

Auch potenzielle Referenten haben sich schnell überzeugen lassen, und schließlich dazu beigetragen, dass sich über den Zeitraum von 15 Jahren immer wieder neue Themen finden ließen. 56 verschiedene Referenten, überwiegend aus Schwerin, aber auch von den Universitäten in Rostock und Berlin, einer sogar aus Kopenhagen, trugen zu mittlerweile 105 Vorträgen aus allen Feldern der Geschichte bei.

105 Veranstaltungen bedeutet, jedes Jahr 6 bis 7 Vorträge angeboten zu haben, einzig 1995 gab es aus Anlass der 1000-Jahr-Feier Mecklenburgs vier große Vorlesungen zu landesgeschichtlichen Themen im Saal des Hauses der Kultur. Gleichfalls bemerkenswert: Nur ein einziges Mal in den 15 Jahren konnte ein Vortrag nicht wie angekündigt stattfinden, als ein Referent erkrankte; er wurde aber nachgeholt.

Wie es sich für solche Veranstaltungen gehört, die durchweg von den Referenten auch mit Bildmaterial veranschaulicht wurden, versagte natürlich auch mal die Technik: Anfangs klemmten grundsätzlich die Dias in den Projektoren, manchmal brannte auch ein Birne durch, so dass rasch ein Ersatzprojektor herangeschafft werden musste. In gewisser Weise spiegelt eine so lang dauernde Vortragsreihe auch die Entwicklung der Technik wieder, waren zu Anfang Dia- und Tageslichtprojektoren die wichtigsten Geräte, so sind inzwischen Laptop und Beamer nicht mehr wegzudenken: Dass aber auch diese moderne Technik gänzlich versagen kann, zeigte ein Vortrag ausgerechnet über einen Künstler und Architekten, dessen Werk durch Bilder vorgestellt werden sollte, der aber völlig bildlos blieb, weil der PC die Präsentation einfach nicht laden wollte. Dennoch sind technische Pannen zumindest dem Gefühl nach weniger geworden. Manche Panne dehnte den Vortrag weit über die gewohnte Zeit hinaus aus, die so entstehenden Pausen nutzten Hörer und Referenten, um ins Gespräch zu kommen.

Apropos zeitliche Ausdehnung: Den unbestritten längsten Vortrag hielt einmal ein emeritierter Universitätsprofessor, der auch nach 90 Minuten keine Anstalten erkennen ließ, zu einem Ende zu kommen und erst durch eine »Massenflucht« der Zuhörer davon abgehalten werden konnte, immer weiter zu referieren. Besser gesagt: zu erzählen, denn er war inzwischen von seinem Vortrag abgewichen und zum Erzählen von Anekdoten und Geschichten übergegangen.

Der wohl unterhaltsamste Vortrag fand im Oktober 1998 statt: »Der sonderbarste Charakter in der ganzen langen Reihe der mecklenburgischen Fürsten. Christian I. Louis von Mecklenburg, Frankreich und die Frauen« lautete der vielsagende Titel des Vortrags. Auch mit einem zweiten Vortrag über die Organisation des Schweriner Hofes in der Renaissance gestaltete der gleiche Referenten einen vergnüglichen, unterhaltsamen und dennoch lehrreichen Abend und bewies damit, dass sich wissenschaftliche Exaktheit und tiefgründige Forschungsergebnisse auch locker und amüsant vermitteln lassen.

Zwei Mal ging es sogar wie beim Fernsehen zu: es gab Wiederholungen. Weil im Haus des ehemaligen Stadtgeschichtsmuseum am Großen Moor selbst bei engster Aufstellung nur maximal 40 Plätze im Vortragsraum zur Verfügung standen und bei manchen Vorträgen bis zu 100 Zuhörer ins Haus drängten, konnte dank des Entgegenkommens der Referentin jeweils ein zweiter Termin angesetzt werden. Beide Wiederholungen waren übrigens gleichfalls gut besucht.

Der wohl am schlechtesten besuchte Vortrag fand 1998 statt, ganze 8 Zuhörer einschließlich der immer anwesenden Vertreter des Vereins verloren sich im Raum. Dies lag aber weder am Referenten noch am Thema, sondern ganz einfach daran, dass der Vortrag vom seit Jahren gewohnten Dienstagabend auf einen Donnerstag verlegt werden musste, weil der Raum an dem Dienstag aus baulichen Gründen nicht zur Verfügung stand.

Damit ist eine andere Tradition der »Historischen Abende« angesprochen: Von Anbeginn an fanden alle Vorträge, abgesehen von der erwähnten Ausnahme, am jeweils letzten Dienstag der Vortragsmonate September bis April oder Mai statt.

105 Vorträge in 15 Jahren: wenn man den in den vergangenen acht Jahren (von den vorherigen Jahren liegen die Zahlen nicht alle vor) erzielten Durchschnitt von gut 40 Besuchern pro Abend zugrundelegt, bedeutet dies gut 4.200 Hörer, eine stattliche Zahl. Diese belegt zugleich, dass auch ohne Universität in Schwerin eine rege und vielfältige Forschung zur Stadt- und Landesgeschichte zu verzeichnen ist.

Dass der Stadtgeschichts- und –museumsverein 15 Jahre lang die »Historischen Abende« veranstalten konnte, ist in erster Linie den treuen Zuhörern zu verdanken, aber auch den Referenten, die mit immer wieder neuen Themen aufwarteten. Mehr noch: seit 15 Jahren haben sich alle bereit gefunden, ohne Honorar aus ihrer Arbeit zu berichten. Einzig Fahrt- und eventuelle Übernachtungskosten erstattete der Verein den Vortragenden, die von auswärts anreisten. Solange auch die Vortragsräume kostenlos zur Verfügung gestellt werden, wie dies bislang immer der Fall war und gegenwärtig dank der IHK zu Schwerin auch noch ist, besteht kein Grund, von dem geringen Kostenbeitrag von einem Euro abzugehen; schließlich bedeutet die Gemeinnützigkeit des Verein auch, möglichst vielen Interessenten den Zugang zur historischen Bildung zu ermöglichen.

So sind 15 Jahre ein guter Grund, allen zu danken, die zum Erfolg der »Historischen Abende« beigetragen haben und sich vorzunehmen, in gewohnter Weise weiter zu machen, so lange es irgend geht.

Hier fing alles an: Im viel zu kleinen Vortragsraum des Historischen Museums am Großen Moor, hier schon nach dem Umbau, bei dem ein fast zwei Meter in den Raum stehender Schornstein beseitigt wurde.
© N. Credé, 2002
Hier ging es weiter: Seit der schließung des Museums stellt die Industrie- und Handelskammer zu Schwerin freundlicherweise ihren Vortragsraum im überdachten, ehemligen Innenhof des Gebäudes zur Verfügung.
© N. Credé, 2004
Vortragsprogramm 2008
Vortragsprogramm 2008 als pdf (131 kb)